Titelbild Siebendörfer Moor
Deutschland

Mit dem Fahrrad durch das Siebendörfer Moor

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21/05/2017

“In das Moor ohne Wege und Stege zieht es mich mächtig hinein,
in dem pfadlosen Moore wird für mich Frieden sein.”
– Hermann Löns (1866 – 1914), deutscher Journalist und Schriftsteller

Am Pfingstsonntag 2015 war es soweit. Ein blauer Himmel und Sonnenschein lockten mich nach draußen. Ich entschied mich für eine Fahrradtour. Ich wollte dazu eine Geocaching-Tour machen und wurde schließlich auch fündig. Meine Wahl fiel auf das Siebendörfer Moor.

Moment, ins Moor?!

Klingt eher geheimnisvoll, mystisch und auch gefährlich. Wer denkt da nicht an Menschen, die im Moor verschwunden oder sogar verendet sind. Doch das Siebendörfer Moor ist völlig harmlos und kann ohne Probleme besucht werden. Man bekommt nicht mal nasse Füsse. Versprochen!

Das Siebendörfer Moor

Das Siebendörfer Moor liegt südwestlich von der Stadt Schwerin. Seit 1999 ist es ein Landschaftsschutzgebiet. Der Name leitet sich von den sieben Dörfern ab, die direkt am Moor angrenzen. Das Siebendorfer Moor ist ein zwar ein Schutzgebiet, aber mit Fahrrad oder zu Fuß darf es betreten werden.

Siebendörfer Moor

Der erste Eindruck

Ich packe meine Fahrradtasche mit ein paar Snacks, Flasche Wasser und meiner Kamera. Die fertig gepackte Tasche wird am Gepäckträger von Patchwork befestigt und schon kann es losgehen. Da ich das Moor vom Norden her anfahre, entscheide ich mich für den Nordwesteingang. Dort versperrt mir eine Schranke den Weg, doch die Schranke gilt nicht für mich, sondern für Autofahrer. Ich schiebe mein Rad an der Schranke einfach vorbei.

Kaum habe ich die Absperrung passiert, bin ich schon drin in der Natur. Es ist so, als hätte ich die Zivilisation hinter der Schranke gelassen. Wieder aufs Fahrrad gesetzt, folge ich einen Feldweg, das GPS-Gerät immer im Blick, da sich hier die ersten Geocaches versteckt sind.

Baum am Graben

Die erste Entdeckung

Ich durchfahre eine kurzen Waldabschnitt. Plötzlich muß ich abbremsen. Ein kleines Tier geht über den alphaltierten Weg und beinahe wäre ich darüber gefahren. Eigentlich fahre ich um Tiere herum, aber dieses Tier ist recht auffällig gefärbt.

Ich steige vom Rad ab und packte meine Kamera aus der Fahrradtasche. Es ist die Raupe eines Weidenbohrers (Cossus cossus), die recht schnell von einer Straßenseite zur anderen krabbelt. Da die Raupe recht schnell ist, versuche ich so viele Bilder wie nur möglich zu machen.

Raupe Weidenbohrer

Bei über geschätzten 10 cm Körperlänge, ist dies für eine Raupe eine recht imposante Größe. Zudem ist ihr Körper auffällig rosafarben mit einem dunkelvioletten Streifen auf dem Rücken gefärbt. Sehr flott kriecht sie über den Feldweg, auf dem ich stehe und währenddessen sie beobachte.

Die bevorzugte Lebensraum der Raupe vom Weidenbohrer sind Weiden-Bäume (Salix sp.) an Fließgewässern. Aber auch in Wiesen und Parkanlagen kann man die Raupe antreffen.

Das besondere an dieser Raupen ist der Duft, den sie ausströmen. Duft ist wohl etwas übertrieben. Sie riechen nach Essig, das mir bei diesem Exemplar aber nicht aufgefallen ist. Sogar Bäume, die vom Weidenbohrer befallen sind, sollen nach Essig riechen.

Nachdem die Raupe wieder verschwunden ist, setze ich meine Reise fort. Ich bin gespannt welche ungewöhnlichen Tiere ich noch zu sehen bekomme.

Ich fahre weiter Richtung Süden, bis ich über eine kleine Brücke nach rechts abbiege. Der zuerst befestigte Feldweg geht zu einem asphaltierten Weg über. Ich fahre weiter geradeaus, vorbei an überfluteten Wiesen. So gefährlich sieht es ja an sich nicht aus.

Ich höre was, was du nicht siehst

Der asphaltierte Weg ist am Rande mit einzelnen Bäumen gesäumt. Rechts von mir erblicke ich einen See. Da erblicke ich eine Uferböschung, die den Blick auf den See freigibt. Ich entscheide mich vom Fahrrad abzusteigen und mir das näher zu betrachten.

Es ist aber kein See, der vor mir liegt, sondern ein ehemaliger überfluteter Torfstich.

Torfstich

Wo früher noch Torf gewonnen wurde, ist heute ein Lebensraum für viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten geworden. In der Ferne höre ich Froschgequake. Leider kann ich aber das Gequake keiner Froschart zuordnen.

Da höre ich plötzlich einen dumpfen tiefen Ton. In regelmässigen Abständen wiederholt sich dieser Ton. Immer wieder “Huump-Huump”. Es ist der Balzruf einer Rohrdommel (Botaurus stellaris). Sein Ruf ist so einzigartig und charakteristisch, das man diesen Vogel im Volkstum auch als “Moorkuh” oder “Wasserochse” bezeichnet wird.

Während sein Ruf kilometerweit zu hören ist, ist das Erblicken des Vogels schon eine Seltenheit. Die Rohrdommel hat ein, in verschiedenen Brauntönen, geschecktes Federkleid. Perfekt für die Tarnung im Schilf, wo der Vogel lebt.

See Siebendörfer Moor

Erblickt die Rohrdommel einen Feind, stellt sie sich aufrecht mit dem Schnabel nach oben auf. Diese Stellung wird als “Pfahlstellung” bezeichnet und bereits junge Rohrdommel-Küken zeigen dieses Verhalten.

Am Ufer lasse ich meinen Blick über den See schweifen. Die Chance eine Rohrdommel zu erblicken, ist so eher gering. Diese Vögel sind einfach zu gut getarnt. Schade.

Ich steige wieder aufs Rad und setze meine Tour fort, begleitet den regelmässigen, tiefen “Huump-huump”-Rufen der Rohrdommel.

Der Süden vom Siebendörfer Moor

Weiter geht es mit dem Rad in Richtung Westen. Vorbei an Baumgruppen. Ein paar Fahrradfahrer kommen mir entgegen. Wir begrüßen uns kurz.

Obwohl es recht warm ist, bringt Fahrtwind etwas Kühlung mit sich. Ein leichtes Sommerfeeling überkommt mich. Da die Straße schön breit und gut ausgebaut ist, kann ich es mir erlauben, zeitweise die Augen zu schließen und einfach die Fahrt zu genießen.

Da erreiche ich eine Gabelung mit einem Schöpfwerk. Es dient zur Wasserregulierung, so dass Landwirte ihre Wiesen bewirtschaften können.

Der Süden des Siebendörfer Moores ist von Rapsfelder und kleinen Waldabschnitten geprägt. In weiter Ferne kann man die einschiffige, neugotische Kirche von Pampow erkennen. Pampow ist eine Gemeinde des Landkreises Ludwigslust-Parchim.

Kirche Pampow

Ich erreiche am Ende dieser Strecke eine Kreuzung. Die linke Seite führt zum Kleintierfriedhof Pampow, der recht Weg führt direkt nach Pampow.

Diesen Weg fahre ich weiter um kurz darauf nach links abzubiegen. Den Feldweg, den ich nun eingeschlagen habe, führt mich zuerst in südöstliche Richtung und dann weiter wieder nach Norden.

Das letzte Drittel

Zwei Drittel meiner Fahrradtour habe ich jetzt hinter mir.  ist von einem befestigen Feldweg mit Bäumen am Straßenrand gekennzeichnet. Der Feldweg wird nach der Hälfte dieser Strecke ungemütlicher. Die Bäumen tauchen nur einzeln auf und ich kann wieder auf weiter Felder blicken.

Im hohen Gras kann man vom weiten nicht viel sehen, doch ich hatte Glück, ein Tier zu entdecken. Siehst du es auch?

Hase im Moor

Der Kopf und die Ohren eines Feldhasen (Lepus europaeus) schauen hervor. Der Feldhase liebt offene und halboffene Landschaften. Zudem bietet des hohe Gras nicht nur Schutz, sondern ist auch Nahrungsquelle.

Bei meiner weiteren Fahrt kann ich beobachten, wie die hohen Gräser der Wiesen zusehend niedriger werden. Da erblicke ich eine Schafherde, die hier das Gras kurz hält. Schafe gelten auf Moorflächen als besonders schonende Form der Bewirtschaftung.

Siebendörfer Moor Schafe

Kaum bin ich an der Schafherde vorbeigefahren, erreiche ich schon die Abbiegung, die mir zur letzten Etappe führt. Hier gleich auch wieder die Landschaft, die ich bereits am Anfang gesehen hatte.

Innerlich verabschiede ich mich schon vom Moor. Ich blicke ein letztes Mal über die weiten Wiesen.

Wiese Siebendörfer Moor

Ein Wind zieht plötzlich auf und die Wiesen bewegen sich wie ein einziger lebendiger Organismus. Ein besonders hoher Grashalm gewinnt meine Aufmerksamkeit. Es ist ein einzelnes Wiesen-Fuchsschwanz (Alopecurus pratensis), das zur Familie der Süßgräser gehört.

Dieses Gras ist ein Nässe- und Nährstoffanzeiger. Zudem bevorzugt es kühle, nährstoffreiche und sickerfeuchte Böden. Hier im Moor findet es also ideale Bedingungen zum Wachsen. Doch allgmein ist dieses Gras ist nicht sehr anspruchsvoll, zumal es in ganz Europa und Nordasien verbreitet ist. Zudem ist es eine beliebte Futterpflanze bei Kühen.

Doch den Wiesen-Fuchsschwanz, den ich hier antreffe, muss sich keine Sorgen machen, gefressen zu werden. Scheinbar sorglos wiegter er sich im leichten Wind hin und her. Oder winkt er mir zum Abschied, weil meine Tour gleich zu Ende ist?

Wiesenfuchsschwanz

Ich erreiche kurz darauf die Absperrung, die ich noch vor wenigen Stunden passiert habe.

Meine Tour durch das Siebendörfer Moor ist damit beendet.

Mein Fazit

Das Siebendörfer Moor ist ein wirkliches Natur-Kleinod. Hier kann man auf gut befestigten und teilweise asphaltierten Wegen eine gemütlichen Spaziergang oder eine Fahrradtour machen. Es gibt keine Anhöhen oder beschwerliche Abschnitte. Perfekt um die Natur im Moor voll auf sich wirken zu lassen.

Empfehlenswert ist ein Besuch im Frühling, wo die Natur erwacht und man den Balzruf der Rohrdommel lauschen kann.


Steckbrief: Das Siebendörfer Moor (Fahrradtour)

Karte

Die Wandertour wurde mit Hilfe von Komoot nachgezeichnet.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln

  • Bus: Mit dem Bus 115 bis Endhaltestelle Schweriner Straße / Pampow, von dort in Richtung Norden gehen, (Südeingang vom Siebendörfer Moor)
  • Bahn: Regionale Züge fahren bis Schwerin Süd, von dort aus nach Norden die Schweriner Straße überqueren und Feldweg nach Norden folgen (Osteingang Schweriner Moor)

Anfahrt mit Fahrrad

  • Den Nordwesteingang nutzen. Eine Schranke versperrt für Autofahrer den Weg, aber Fahrradfahrer dürfen passieren

Geocaching

  • Im Siebendörfer Moor gibt es eine schöne Geocaching-Runde, die ich nur empfehlen kann

Warst du schon einmal in einem Moor? Konnte man dort wandern oder sogar Fahrrad fahren? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreibe mir eine Email.

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Kommentare
  1. Zoe

    18/03/2018

    Hallo Angelina,
    ja, zu Fuß ist immer am besten. Freut mich, wenn dir meine Ideen gefallen. Nachmachen und durchführung meiner Ideen ist durchaus erlaubt.

    Hey, wenn du eine Idee hast, die ich noch nicht umgesetzt habe – immer her damit. Liebe Grüße – Zoe

  2. Angelina

    16/03/2018

    Tolle Idee viel zu Fuß zu erkunden! Viel nachhaltiger als mit dem Auto 🙂
    Ich liebe es einfach drauflos zu laufen .. nehme gerne ein Paar deiner Tipps auf!

  3. Zoe

    18/06/2017

    Hallo Sarah, das mit dem Emsland klingt spannend. In der Ecke von Deutschland war ich auch noch gar nicht. Ich packe das mal auf meine Wander-Bucket-Liste. Danke für die Inspiration. Liebe Grüße – die Zoe

  4. Sarah Maria

    17/06/2017

    Das klingt super. Ich komme aus dem Emsland das ist quasi ein einziges großes Moor. – Und manchmal vermisse ich es richtig.

    Liebe Grüße zu dir,
    Sarah

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo! Ich bin die Zoe, die Gründerin von Rambling Rocks. Ich liebe die Natur und Wandern ist für mich die beste Möglichkeit die Natur mit allen Sinnen zu erfahren. Was ich dabei auf meinen Touren entdecke, schreibe ich hier auf meinem Blog. Neugierig? Dann wander einfach mit. Natur beißt nicht!