Titelbild Schwerin
Wilde Stadt

Die Stadt der sieben Seen und Wälder

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13/05/2017

Ich wohne jetzt seit knapp über einem Jahr hier und hatte damit genügend Zeit, die “wilden Seiten” der Stadt Schwerin zu entdecken.

Da Schwerin in einer waldreichen Seenlandschaft liegt, befindet sich die Natur quasi vor der Haustür. Doch wo kommt diese Seenlandschaft her? Ein Blick in die Erdgeschichte verrät, wie es zum heutigen Bild von Schwerin kam.

Die Geologie von Schwerin

Die Stadt Schwerin liegt auf einer Jungmoränenlandschaft. Dies ist ein Gebiet, wo Gletscher der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren die Landschaft geprägt und gestaltet haben. Typisch für die Jungmoränenlandschaft ist das wellige bis kuppige Bodenrelief.

Eiszeitlandschaft

Diese unebene Landschaftsform kann man auch innerhalb der Stadt Schwerin beobachten, denn sie wurde nicht auf ebenem Boden gebaut. Bei einem Spaziergang durch die Altstadt bemerkt man schnell, dass es entweder leicht nach oben oder nach unten geht, aber nie stetig eben ist.

Auch mit Wasser gefüllte Hohlformen (“Toteislöcher”) sind ebenfalls Zeugen der letzten Eiszeit. Sie sind in Form der zahlreichen Seen in Schwerin und im Umland zu beobachten.

Die Schweriner Seen

Schwerin ohne Seen?! Das geht nicht!

Zu der Stadt Schwerin zählt man insgesamt 11 Seen. Diese 11 Seen sind teils durch den Rückgang des Eises aus ehemaligen Schmelzwasserrinnen der Eiszeit-Gletscher hervorgegangen, die sich dann dauerhaft mit Wasser füllten.

Pinnower See

 

Der Schweriner See ist der größte und auch bekannteste See unter den Schweriner Seen. Auch das Schweriner Schloss steht auf einer künstlich angelegten Insel im Schweriner See.

Mein Tipp

Ein Spaziergang um den Burgsee. Er liegt zentral und man bekommt einige Highlights der Stadt zu Gesicht u. a. das Schweriner Schloss.

Der Burggarten

Der Burggarten ist ein kleines Inselparadies, das an drei Seiten um das Schweriner Schloss angelegt worden ist. Wie zum Schweriner Schloss, gelangt man zum Burggarten nur über die südlich oder westlich gelegene Brücke.

Der Burggarten wurde im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt. Das heißt, hier wird auf exakt geometrische Formen verzichtet und stattdessen einen möglichst “natürlich” aussehende Landschaft wiedergegeben. Dies zeigt sich auch an den Höhenunterschieden der Wege innerhalb des Gartens.

Ein Spaziergang durch den Burggarten kann auch eine kleine Botanik-Lehrstunde sein. Alte Bäume säumen die Wege durch den Garten und kleine Metallschilder helfen bei deren Identifizierung. Diese zeigen jeweils den deutschen, wissenschaftlichen und englischen Namen des Baumes an.

Neben einheimischen Bäumen sind auch einige Exoten auszumachen. Einer meiner Lieblingsbäume, der Gingko (Gingko biloba) ist auch dabei.

Gingko-Baum

Neben den vielen Pflanzen und Bäumen kann man auch einheimische Wasservögel am Ufer des Burggartens beobachten.

Höckerschwäne (Cygnus olor), Stockenten (Anas platyrhynchos) und Haubentaucher (Podiceps cristatus) sind nur drei von vielen Vogelarten, die sich am Ufer des Burggartens tummeln. Dank der Nähe zur Ostsee gehören auch Möwen wie z. B. die Silbermöwe (Larus argentatus) zu den täglichen Gästen in Schwerin.

Ein anderes Tier, das ebenfalls fliegen kann und hier sein Zuhause gefunden hat, ist die Fledermaus (Unterordnung: Microchiroptera). Da Fledermäuse eher nacht- oder dämmerungsaktive Tiere sind, wird man sie eher seltener am Tag im Burggarten beobachten können. Doch ihr Schlaflager und Winterquartier steht für jedermann offen: die Grotte.

Grotte in Schwerin

Die Grotte ist ein Bauwerk, das sich unterhalb des Schweriner Schlosses, am Ufer des Schweriner Sees befindet. Sie wurde aus Granit-Findlingen zusammengefügt, die aus der Gegend um Raben-Steinfeld stammten.

Mein Tipp

Eine Spaziergang rund um den Burggarten machen.

Der Schlossgarten

Ein Gegensatz zum Burggarten ist der vom Schloss südlich gelegene Schlossgarten.

Die geometrischen Formen und der künstlich angelegte Kreuzkanal stehen im Gegensatz zu den hier naturbelassenen Schilfgürteln, Röhricht- und Weidengebüschzonen. Doch diese Kombination bildet einen ungewöhnlichen Lebensraum für zahlreiche einheimische Wasservögel.

Graureiher am Schweriner See

Mit etwas Glück kann man den scheuen Graureiher (Ardea cinerea) bei der Jagd beobachten. Oft steht er am Ufer des Kreuzkanals und lauert auf Fische.

Mein Tipp

Am späten Nachmittag oder frühen Abend lassen sich Tiere, vor allem Wasservögel, gut im Schlossgarten beobachten.

Der Alte Friedhof

Friedhöfe sind gruselig?!

Wer das behauptet, war noch nicht auf dem Alten Friedhof. Es ist eine historische Friedhofsanlage, die eher an einen Park als an einen Friedhof erinnert und daher überhaupt nicht gruselig ist.

Als ich das erste Mal diesen Friedhof betrat, dachte ich mir: “Das ist hier ja grün wie in einem Dschungel!”

Friedhof in Schwerin

Wegweiser an den Hauptwegen erleichtern die Orientierung innerhalb des Friedhofsgeländes, da die Anlage auf den ersten Blick etwas chaotisch wirkt. Ich habe mich sogar beim ersten Besuch hier verlaufen.

Doch was für den Menschen vielleicht chaotisch erscheint, ist ideal für Tiere und Pflanzen. Hier ist vieles verwachsen und viele alte Bäume bieten Schutz und Unterkunft für Tiere. Da sich hier allgemein wenig Menschen aufhalten, kann man in Ruhe Tiere beobachten. Ein Fuchs (Vulpes vulpes) oder Reh (Capreolus capreolus) zu erblicken, ist durchaus keine Seltenheit.

Mein Tipp

Bring bei einem Besuch Nüsse mit. Die Eichhörnchen werden es dir danken.

Der Kaninchenwerder

Der Kaninchenwerder ist eine nur 0,37 km² große Naturerlebnis-Insel im südlichen Schweriner Innensee. Entstanden ist sie, wie auch der Schweriner See, in der letzten Eiszeit.

Der Name beruht auf den Versuch, Kaninchen auf der Insel auszusetzen und dadurch einheimisch werden zu lassen. Dieses Vorhaben scheiterte, jedoch der Name “Kaninchen” blieb. Unter “Werder” versteht man eine Erhebung oder Insel.

Kaninchenwerder auf dem Schweriner See

Statt der Kaninchen sind Tiere wie Wildschwein (Sus scrofa), Reh (Capreolus capreolus) und Seeadler (Haliaeetus albicilla) auf dem Kaninchenwerder heimisch. Auch viele seltene Pflanzen sind auf dem Kaninchenwerder entdeckt worden. Einige Arten stehen sogar auf der Roten Liste.

Mit der Personenfähre Weiße Flotte kann man den Kaninchenwerder erreichen. Diese Fähren legen am kleinen Hafenbereich im Süden der Insel an. Auch mit privaten Booten kann man dort anlegen. Eine Gaststätte mit Bäckerei lädt den Gast zum Verweilen ein. In der Nähe des Hafenbereiches steht ein Aussichtsturmes, von dessen Aussichtsplattform man einen schönen Blick auf die Insel hat.

Wer die Natur der Insel kennen lernen möchte, sollte den Naturerlebnispfad mit seinen 19. Stationen entlang gehen. Kaum ist man auf der Insel außerhalb des Hafenbereiches, ist es bereits viel ruhiger. Man ist dann mitten in der Natur.

Mein Tipp

Beim jährlichen Schweriner Insel- und Strandfest kostet die Überfahrt (Hin- und Rückfahrt) zum Kaninchenwerder insgesamt nur 1,- Euro.

Das Siebendörfer Moor

Das “Siebendörfer Moor” ist ein Naturschutzgebiet, das im Südwesten von Schwerin liegt. Der Name stammt von den sieben Niederungen ab, die an das Moor angrenzen.

Siebendörfer Moor

Das Siebendörfer Moor war ursprünglich ein Grundmoränensee, der sich dann mit der Zeit mit organischem Material füllte.

Einen Bericht über meine Fahrradtour durch das Moor findest du hier.

Mein Tipp

Mit dem Rad lässt sich dieses Moor am Besten erkunden.


Quellen und interessante Links

Hier findest du weiteren interessanten Lesestoff über meine neue Heimatstadt:


Warst du schon einmal in Schwerin? Welche wilden Seiten dieser Stadt hast du entdeckt? Kennst du andere “Wilde Städte”? Hinterlasse hier ein Kommentar oder schreib mir eine Email.

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Zoe
Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland

Hallo! Ich bin die Zoe, die Gründerin von Rambling Rocks. Ich liebe die Natur und Wandern ist für mich die beste Möglichkeit die Natur mit allen Sinnen zu erfahren. Was ich dabei auf meinen Touren entdecke, schreibe ich hier auf meinem Blog. Neugierig? Dann wander einfach mit. Natur beißt nicht!